GERTHE – CASTROP

1909 wurde die Straßenbahn Von der Endstelle in Gerthe über die Lothringerstrasse (heute Lothringer Straße) nach Castrop weitergeführt. Am 20. Dezember 1909 wurde die neue Strecke in Betrieb genommen.

Die beililegende Karte stellt auf der Basis eines Luftbildes aus den 1920er-Jahren (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0) den Streckenverlauf dar. Auch bei den übrigen Karten habe ich die Luftbilder von 1926 verwendet: Da viele Bäume noch nicht hochgewachsen sind, sind auf diesen alten Luftbildern die Straßen noch gut zu erkennen.

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Bereits 1910 warb der Buchhändler Hermann Buthmann mit dieser Karte für sein Geschäft. Mit der Straßenbahnstrecke und der parallel installierten elektrischen Beleuchtung ist das Zentrum von Gerthe auf der Höhe der Zeit.

Sammlung Stadt Bochum, Presseamt

Wenige Meter weiter entstand dieses Postkartenmotiv.

Sammlung Stadt Bochum, Pressestelle

Zeitgleich mit der Straßenbahn wurde 1909 die evangelische Christuskirche gebaut.

Sammlung Stadt Bochum, Pressestelle

Wenige Meter weiter entstand dieses Bild – nunmehr auch mit der Straßenbahn.

Sammlung Stadt Bochum, Pressestelle

In der Ausschnittsvergrößerung erkennt man den modernen Scherenstromabnehmer des Straßenbahnwagens: Die Westfälische Straßenbahn GmbH gehörte in den 1920er-Jahren zu den besonders innovativen Verkehrsunternehmen.

Sammlung Stadt Bochum, Pressestelle (Ausschnitt)

Auf diesem Bild sehen wir links bereits die Einfassung der Schachtanlage Lothringen I/II.

Sammlung Stadt Bochum, Pressestelle

Nach der Eröffnung der Streckenverlängerung von Gerthe nach Castrop hatte die Zeche Lothringen einen direkten Anschluss an das Straßenbahnnetz.

Sammlung Hansi Hungerige

Die gleichnamige Haltestelle lag unmittelbar vor dem Zechentor. Die Szenerie war ein beliebtes Postkartenmotiv für „Mehrbildkarten“ aus Gerthe.

Verlag Werner Teschner, Castrop-Rauxel (Ausschnitt) – Sammlung Ludwig Schönefeld

Hier sind links vom Straßenbahngleis die Zeche und ihr Verwaltungsgebäude zu sehen. Später wurde die Zechenverwaltung erheblich erweitert.

Sammlung Stadt Bochum, Pressestelle

Dieser Plan veranschaulicht den Streckenverlauf im Jahr 1929 – erneut auf Basis von Luftbildern aus den 1920er-Jahren (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0).

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Dieses Bild zeigt die Straßenbahn nach Castrop-Rauxel in den 1950er-Jahren vor dem „Gasthaus Lothringen“.

Stadt Bochum, Pressestelle

Soeben ist Triebwagen 284 aus Castrop-Rauxel an der Ausweiche Schürbankstraße in Gerthe angekommen. Sein Fahrtziel: „Bochum Hbf. über Gerthe“.

Foto Wolfgang R. Reimann

Wir begleiten die Linie 7 auf ihrem Weg nach Castrop. Am 29. Oktober 1966 entstand dieses Bild in Höhe des Hauses Castroper Hellweg 583.

Foto Wolfgang R. Reimann

Die Ausweiche „Am Kreuz“ war der Punkt zwischen Gerthe und Castrop, an dem sich die Straßenbahnwagen begegnen konnten.

Foto Herbert Cappel – Sammlung Bernhard Terjung

Über den „Eselsberg“ wurde das Stadtgebiet von Castrop-Rauxel erreicht. Im Hintergrund ist die Schachtanlage „Graf Schwerin“ zu sehen.

Foto Herbert Cappel – Sammlung Bernhard Terjung

Ab 1912 wurde die Linie von Bochum nach Castrop als Linie „A“ bezeichnet. Die Haltestelle unmittelbar in der Widumer Straße war aufgrund der Nähe zur Zeche Erin immer gut frequentiert.

Verlag Cramers Kunstanstalt Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld

Die Endstelle in Castrop lag unmittelbar vor der Emschertalbahn in der Münsterstraße. Hier setzt gerade ein ehemaliger Wagen der Märkischen Straßenbahn um. Sie gehörte ab 1912 zum Verbund der Westfälischen Straßenbahn GmbH. Der Straßenbahnwagen im Hintergrund gehört zu den Elektrischen Straßenbahnen des Landkreises Dortmund.

Verlag Gebrüder Moonen, Essen – Sammlung Ludwig Schönefeld

Die Karte zeigt die Straßenbahnstrecken in Castrop-Rauxel im Zustand von 1920 auf Basis von Luftbildern aus den 1920er-Jahren (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0).

Die Strecke der ehemaligen Bochum-Castroper Straßenbahn ist in der Skizze grün angelegt, die Strecke der ehemaligen Märkischen Straßenbahn sehen wir als ockerfarbene Linie. In Magenta wird das Gleis der Straßenbahn Herne – Sodingen Castrop dargestellt, in violett die Strecke der Elektrischen Straßenbahnen des Landkreises Dortmund. Die blaue Linie ist das von der Westfälischen Straßenbahn gebaute Verbindungsgleis mit dem Gleisdreieck und der Endstelle an der Emschertalbahn.

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So präsentierte sich die Endstelle an der Emschertalbahn im Jahr 1952.

Foto Klaus-Bernd Lange – Sammlung Bernhard Terjung

Anfang 1963 wurde die Endstelle in Castrop von der Emschertalbahn in die Widumer Straße zurückgezogen. Dieses Bild von 1961 zeigt noch die alte Situation. Die „7“ hat sich soeben auf den Weg nach Bochum gemacht.

Foto Friedrich Engel – Sammlung Klaus-Michael Lehmann

Die neue Endstelle lag im Kreuzungsbereich von Widumer Straße und Lönsstraße. Das Foto entstand am 27. Dezember 1963. Deshalb bereichert die Weihnachtsbeleuchtung die ansonsten recht trübe und regnerische Szene.

Foto Wolfgang R. Reimann

Situationen wie diese – ein Unfall an einer unübersichtlichen Hauseinfahrt – wurden als Argument zur Einstellung des Straßenbahnverkehrs nach Castrop herangezogen. Am 8. Mai 1967 wurde die Straßenbahn zwischen der Münsterstraße in Castrop und Gerthe durch die Omnibuslinie 67 ersetzt.

BOGESTRA-Fotoarchiv

Nach der Einstellung der Strecke nach Castrop wurden die Gleisanlagen in Gerthe umgebaut. Für den Einsatz von Einrichtungswagen im 10-Minuten-Verkehr entstand eine Gleisschleife in der Hans-Sachs-Straße. Die Gleise in der Schürbankstraße wurden so verschwenkt, dass die Straßenbahn nunmehr in Richtung Bochum in den Castroper Hellweg abbiegen konnte.

Auf der Karte ist der neue Gleisverlauf dargestellt. Das Luftbild stammt allerdings – im Interesse einer besseren Vergleichbarkeit – aus den 1920er-Jahren (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0). Da die Gleise in der Nachkriegszeit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG gehörten, werden sie mit roten Linien dargestellt.

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Fortan gab es zwei Endstellen in Gerthe: „Gerthe Apotheke“ (später „Gerthe Mitte“) und „Gerthe Schürbankstraße“. Die Schleife „Gerthe Mitte“ führte durch die Lothringer Straße und die Hans-Sachs-Straße. Die Fotos wurden am 18. Februar 1980 aufgenommen.

Fotos Ludwig Schönefeld

Die Schleife „Schürbankstraße“ führte bis zum 30. April 1980 über die alte Gleistrasse in der Lothringer Straße, über die Schürbankstraße und den Castroper Hellweg.

Fotos Ludwig Schönefeld

Viele haben in Gerthe noch die Einrichtungswagen der BOGESTRA erlebt. Einer von Ihnen hat auf diesem Bild vom 18. Januar 1975 die Endstelle „Gerthe Apotheke“ erreicht und biegt gerade in die Lothringer Straße ein. Aufgrund der Schatten war das Motiv bei starkem Sonnenlicht, insbesondere im Winter, nicht gut zu fotografieren.

Foto Dieter Höltge – Sammlung Stefan Höltge

1976 wurde Triebwagen 216 in der Lothringer Straße fotografiert. Der Einrichtungswagen entstand 1964/65 aus einem vierachsigen Großraum-Triebwagen, der mit einem neuen Mittelteil zum Sechsachser verlängert wurden.

Foto Peter Rauwerda

Am 30. April 1980 wurde der Schleifenverkehr über die Lothringer Straße aufgegeben. Damit war auch der Einsatz von Einrichtungswagen in Gerthe Geschichte. Das Foto zeigt den 1956 gebauten Triebwagen 250. Er war der Prototyp aller klassischen Düwag-Einrichtungswagen. Am 17. Oktober 1976 wartet das historische interessante, aber leider nicht erhaltene Fahrzeug an der Endstelle in der Schürbankstraße auf Fahrgäste.

Foto Manfred Möller

Hier ist er bereits wieder auf dem Weg nach Bochum.

Foto Manfred Möller

Die neue Endstelle im Castroper Hellweg wurde nur wenige Monate von der Linie 306 genutzt. Nach der Eröffnung des Tunnels zum Ruhrstadion im November 1981 kamen die Linien 308 und 318 nach Gerthe.

Foto Peter Rauwerda

Die Gleise in der Lothringer Straße und in der Schürbankstraße blieben noch recht lange liegen. Als die Fotos Ende 1980 aufgenommen wurden, stand an der Haltestelle Schürbankstraße noch immer das Haltestellenschild.

Fotos Peter Rauwerda

Auf den Linien 308 und 318 wurden anfangs nur M-Wagen eingesetzt. Später kamen die Niederflurwagen hinzu. Heute fahren hier die modernen Variobahnen.

Foto Ludwig Schönefeld

Nach der Stilllegung der Gleise in der Lothringer Straße, der Hans-Sachs-Straße und der Schürbankstraße gibt es nur noch Gleise im Castroper Hellweg. Das sehen wir im nachfolgenden Plan noch einmal auf Basis des historischen Luftbilds (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0).

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Den Abschluss dieses Kapitels bilden fünf Fotos aus neuerer Zeit. Sie zeigen die Strecke von Gerthe-Mitte zur Endstelle Schürbankstraße im im September 1995. Die auf den Bildern eingesetzten M-Wagen und die Niederflurwagen der ersten Generation wurden inzwischen an Verkehrsbetriebe im Ausland weitergegeben.

Fotos Stefan Höltge